Warum nicht mal Schweinisches?

Ich wünschte, ich könnte fliegen,

dann würde ich mich

aus dem Schweinekoben erheben

und den ganzen Mist hinter mir lassen,

Ich würde weder den Schlachter

noch seine Wurst fürchten,

meine Gülle dem Wind überlassen,

vogelisch reden lernen,

die Flugsicherung verunsichern,

bräunen ohne zu braten,

im Fluge aus den Kronen der Apfelbäume

Früchte pflücken,

im Süden Trüffeln schnüffeln

und sie dann selber müffeln,

gegen meinen Bauern Luftattacken fliegen,

durch offene Fenster ein- und ausschweben,

mit Piloten „Alles roger!“ austauschen,

in der Schweinebucht eine Landung versuchen,

einen Tierarzt suchen, der spritzen kann,

mit Zeppelinen um die Wette fliegen,

Blütennektar trinken wie ein Kolibri,

mich in einen italienischen Keiler verlieben,

und in einem Eichenhain abferkeln,

Schweinfurt besuchen,

auf Borneo mit den Schweinsaffen

Kokosnüsse pflücken,

meine Hufe lila lackieren,

auf dem Rücken fliegend  „I´m flying“ singen,

nur noch Saumässiges fressen,

frei sein und gut riechen,

täglich die Kolumne „Neues von der Flugsau“ lesen,

mit Miss Piggy einen Film drehen und

von Robert Redford gekrault werden,

Luftkampftechnik nach Immelmann erlernen,

und segeln, segeln, segeln

auf der Thermik im Hochgebirge

zwischen Drachenfliegern und Paraglidern,

bei Ballonfahrern Obst ergattern,

nur saumässige Landungen hinlegen,

wie es sich gehört

– und einen Fliegertod sterben,

und danach nicht im Rauch abhängen müssen,

fühlen, wie meine Seele weiterfliegt –

wenn ich es mir recht überlege:

Ja, ich wünschte, ich könnte fliegen!

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Sus scrofa

Allgegenwärtig ist das Schwein

in unserm Menschenleben,

ohne von uns  geliebt zu sein.

Es hat so viel zu geben .

 

Zuvörderst dient es uns bei Tisch

als Schinken, Schnitzel und Kotlett,

und Lendchen, rosa, zart und frisch,

Grillrippchen mit und ohne Fett …..

 

Gesülzt, gekocht oder gebraten

geniesst der Mensch, der nicht Muslim,

das Schwein zu Sossen, Kraut, Salaten

bei Blumenschmuck, und mit Benimm.

 

Wir sollten doch  an solchen Tagen,

nach einem wirklich guten Essen

gemeinsam herzlich Danke sagen:

„Dank, liebes Schwein, sei unvergessen!“

 

Der Schweinefreund hat auch bedacht

dass Schweine stets geduldig bleiben,

wenn man sie mal zum Buhmann macht,

um sich mit anderen zu reiben.

 

Du blöde Sau! Du dummes Schwein!

Du Drecksau, Sülzkopp, wilde Sau!

In heilgem Zorn wird man gemein,

Die Knoechel weiss, Gesichter blau!

 

Ganz bayrisch wirds, wenn ohne Faxen

der Loisl durch die Kneipe brüllt:

Geh schleich´Di, schwing die krumma Haxn!

und Haxnduft den Gastraum fuellt.

 

So mancher Mensch ist sehr geknickt,

mit Liebe sich zum Schweine wendet,

weils Pumperl ihn ganz böse zwickt

und´s Schwein Aortenklappen spendet.

 

Als Glückssymbol – na, unentbehrlich!

Was täte man nur ohne „Schwein“.

Mensch, sag es einmal wirklich ehrlich:

So´n Ferkelchen kann niedlich sein!

 

Und nicht zuletzt der Bauernstand

Profit verspricht die Ferkelei.

Es grunzt munter im Bauernland,

noch immer gilt: Landluft macht frei!

 

Mag sein, dass es die Stadtluft war,

die einst den Menschen frei gemacht.

Dem Schwein stellt es sich anders dar:

Freiheit ist für´s Wildschwein gedacht,

 

so lang, bis dann im Morgenrot

die Büchse knallt; ein letzter Schmerz,

der Jäger bruellt dann los: Sau tot!

Ein Blattschuss, mitten durch das Herz!

 

Nun, auch noch dies. Es spricht sich rum

im Koben und in Schweinekreisen.

Das Hausschwein ist ja nun nicht dumm

kann die Behauptung schon beweisen,

 

dass man nur noch als Hausschwein sicher.

Und sterben muss nunmal ein jeder.

Der Bauer auch! (Hinten Gekicher!)

Der ist dann hin – ich Schweineleder!

 

Reinkarnation – auf Schweine-Art

ist nicht nach jedermanns Geschmack.

Der Mensch arbeitet lieber hart.

Arbeit macht frei!, schrieb Menschenpack.

 

Hat je ein Schwein so was geschrieben?

 

Der Misanthrop: Jaaaaaaaawoll! Alles Schweine!

 

Der Tierfreund: Wer einen Menschen als Schwein bezeichnet, beleidigt eine ganze Tiergattung.

 

Der Humangenetiker: Charakter ist eine ererbte Eigenschaft,  die ihre Auspraegung …….

 

Der Altruist: Dies ist Ausdruck fuer die Verirrung einer  menschlichen Seele, quasi ein Hilferuf ….

 

Der Politiker: Das ist zu lange her. Davon weiss ich nichts.

 

Der Priester: Alles geschieht nach Gottes weisem Ratschluss!

 

Der Beamte: Zu allen Zeiten galten in Deutschland die Grundsaetze, wonach Recht und Ordnung …..

 

Der Neo-Nazi: Ausländer rauuuusss!!

 

Der gute Deutsche: Ich lese jeden Tag die Bildzeitung!

 

Das Hausschwein: Der Mensch ist auch eine Sau! Nur anders.

 

 

 

 

 

 

Bison-Herde gesucht

Irgendwann in diesem Frühjahr war der erste Rasenschnitt fällig. Der Familienrat beriet um die Frage, wer den Rasenmäher durch das frische Grün führen dürfte. Jeder der Anwesenden wollte die Ehre des ersten Schnitts einem anderen überlassen. Grosse Gesten des Verzichts machten die Runde, dann hatte man ein Ergebnis: Der Rasen wird in diesem Jahr nicht gemäht. Wir bieten den Insekten einen Rückzugsort, sofern eine Insektenwelt überhaupt noch existiert.

Das Resultat: Ich habe nun 250 qm Wiese anstelle von Rasen. Diese fremdartige Wiese sieht aus wie im Bild oben, nur deutlich schlimmer. Nachbarn haben vorsichtig nach Motiven für den Gartenterror gefragt. Mit dem Hinweis auf Naturschutz-Belange konnte ich jede Attacke erfolgreich kontern.

Gestern erhielt ich die Bestätigung für die Richtigkeit unserer Massnahme. Am Abend erhielt ich Besuch aus dem Garten. Zwei grüne Grashüpfer besuchten mich in meinem Büro, schauten sich um und verschwanden wieder. Anschliessend überzeugte sich eine Weberknecht-Mutter mit zwei Kindern dass es mir gut geht, um dann ebenfalls zu verduften. Es lebt also da draussen, und die ersten Blumen versuchen, sich den 5 Hummeln anzudienen.

Nun geht allerdings der Familienrat mit einer schwerwiegenden Frage schwanger. Wer mäht im Herbst wie die Wiese? Der Rasenmäher würde im Job einen Heldentod sterben ….. aber siehe da, die Problemlösung liegt auf der Hand! Da wir keine Bisonherde zum Abweiden auftreiben können, überlassen wir es Mutter Natur, mit diesem Rauhfutter fertig zu werden. Sie hat es wachsen lassen, soll sie auch dafür sorgen, dass im nächsten Frühling Platz für Neues vorhanden sein wird. Und ich kann mit Genugtuung feststellen:

Nie wieder Glyphosat !

Nie wieder Blaukorn und Eisensulfat!

Und nie wieder Rasen mähen? Abwarten. Mal sehen, wie das Experiment verläuft.

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