Shit happens!

Ich mache  mal rasch ein Fenster auf und biete einen Blick in meinen Alltag:

Soeben bin ich wieder zu Hause angekommen. Es war wieder ein Besuch meines Doktors angesagt.  Es war eine gute  Gelegenheit, dem jungen Mann ein wenig Freude zu bereiten. Seine Verordnung, eine volle Ladung Cortison und Breitband-Antibiotikum zeigte eine gute Wirkung, ich kann also wieder atmen wie ein Mensch.

Nun sitze ich hier und sinniere über den Rest des Tages. Schliesslich habe ich noch ca. 13 Stunden zu überstehen, und diese Zeit soll möglichst ohne Events von der Art wie das zum Tagesbeginn verbracht werden. Was war geschehen?

Ein eben geöffneter Becher Joghurt erwies sich als widerspenstig, indem er sich verselbständigte. Sein Weg verlief über mein linkes Hosenbein, wo er Spuren seines Inhalts hinterliess,und endete naturgemäss auf dem laminierten Fussboden.

Man muss sich das so vorstellen: Der volle Joghurtbecher flog kopfüber. Nun ist der Joghurt schwerer als der Plastikbecher. Das bedeutet, dass der Joghurt unten vor dem Becher ankommt. Jener trödelt praktisch hinterher. In der kurzen Zeitspanne bis zum Eintreffen des Bechers konnte der Joghurt sich genüsslich auf dem Fussboden ausbreiten. Es war übrigens Joghurt mit Bienenhonig, und somit besonders klebefähig.

Das nur für technisch Interessierte.

Und über der Szenerie hing wie ein Menetekel mein Arzt-Termin. Es war also schnelles Handeln angesagt, und das ist nun garnicht mein Ding. Darum bin ich momentan ein wenig stolz auf mich. Ich habe geschafft, die Mumpe zu entfernen, einen anderen Becher Honigjoghurt leer zu essen, und pünktlich beim Doc zu sein. Volle 2 Minuten zu früh.

Nun sitze ich hier und sinniere. Was hat mir dieser Vormittag zu sagen? Glas halb voll, oder halb leer? Oder gar beides? Bei Licht besehen ist heute mein Glas nicht halb, sondern zu 90% gefüllt und somit zu 10% leer. Gut atmen können kommt halt deutlich vor verunfalltem Joghurt. So spricht die Binse, die Mutter aller Weisheit.

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Schattenwesen

Erster Eindruck: Unmöglich, das Erlebte zu verstehen. Mein Vorstellungsvermögen war ziemlich überfordert. Auch heute noch, mit einigem Abstand fällt es mir schwer, das Geschehnis zu begreifen und es gar niederzuschreiben. Ich versuche es dennoch, weil es abartig und zugleich faszinierend ist – mysteriös, fantastisch, und überaus spannend. Ich möchte, wenn die Geschichte ihr Ende gefunden hat, so lange ich will, und so oft es notwendig ist, wieder einsteigen, versuchen, zu verstehen, ja, das ist es. Einfach verstehen.

Ich bin eines Nachts, so gegen 0 Uhr 30 zu Bett gegangen, und am Morgen gegen 8 Uhr 30 aufgewacht. Es ist mir zur lieben Gewohnheit geworden, nach dem Aufwachen eine Viertelstunde liegen zu bleiben, die Wärme meines Betts zu geniessen, den neuen Tag zu überdenken und dabei ganz allmählich ein Interesse am Kommenden zu entwickeln. An besagtem Morgen genoss ich nichts von alledem. Ich hatte anderes zu tun.

Es musste sich in der Nacht ereignet haben, woran ich in den folgenden Tagen hart zu arbeiten hatte. Nächtens, und während ich tief und fest schlief, schlich sich eine phantastische Geschichte in meine Erinnerung ein. Um Missverständnissen vorzubeugen: Nicht die Story war phantastisch, sondern das gesamte Ereignis. Am ehesten versteht man die Angelegenheit durch einen Vergleich: Irgendwer hat mir während des Schlafs eine kleine Datei in meinen Speicher geschrieben. Es war ein Hacker an der Arbeit. Zudem ist die Story wahr.  Mit diesem Attribut hat man sie mir in meine Erinnerung eingetragen. Man hackte mein Hirn.

Die Frage nach der Herkunft der Infos ist bis zur Stunde unbeantwortet.

Ich entschied, zu protokollieren, vermutlich als instinktiver Versuch zur Bewältigung einer Krise – es bietet sich dabei zudem die Chance, die neuen Fakten mit anderem Wissen zu verschmelzen, Assoziationen zu entwickeln, Phantasie einfliessen zu lassen und so eine „begründete“ Vermutung zu entwerfen, also einen Zustand zu erreichen, in dem das Ereignis akzeptiert werden kann. Soweit die Hoffnung.

Bis dahin jedoch wurde ich die Empfindung einer Invasion durch Unbekanntes nicht los, wartete auf eine Fortsetzung von Ereignissen, die ich nicht selbst erlebt, und doch als Erinnerung zu dulden habe.

Seit jenem Morgen fürchtete ich den Schlaf, ohne ihn allerdings verhindern zu können. Immerhin schlief ich zunächst nicht mehr des Nachts, sondern zu unmöglichen Zeiten im Verlauf des lichten Tages – als ob damit zu verhindern wäre, was mir neulich  widerfahren ist.

Mittlerweile ist es mir gelungen, das Geschehen zu strukturieren. Dazu habe ich z. B. den Begriff „Nachricht“ eingeführt. Nach der Bearbeitung einer Nachricht forsche ich nach dem Substantiellen, zergliedere, deute und ergänze, und versuche dann zu verstehen. Wie es sich in der Folge zeigte, war die Verwendung solcher Technik zweckmässig; sie fördert das Verständnis der Nachricht, und sie nimmt ihr jenen Schrecken, den Nr. 1  noch ausgelöst hatte.

Um es vorweg zu nehmen: Mittlerweile gehe ich wieder abends zu Bett, schlafe tief und fest, und freue mich auf das Erwachen – ist eine neue Nachricht angekommen, oder etwa nicht? Freude oder Enttäuschung? Ja, ich gestehe: Ich werde möglicherweise süchtig nach Neuigkeiten aus dem Irgendwo.

Nachricht 1

ist. bei dir weit bei dir nah. univers wie du. sonne wie du. planet dreht. ist. seite weiss heiss. seite schwarz. egal heiss nicht. weit messen keine zeit. ist. heiss mensch hell. sagen Licht. kalt sagen mensch schatten. verstehen. plus.

+++++

Mit meinem Gedächtnis ist es wahrlich nicht zum besten bestellt. Ich vergesse Telefonnummern, PIN´s, meinen Hochzeitstag, Namen  und geplante Einkäufe. Aber man kann versichert sein, dass ich diese Nachrichten komplett und korrekt wiedergebe. Es ist ein Phänomen, über das ich nicht nachdenken möchte. Die Stress-Symptome habe ich mit Erfolg bekämpft, und ich akzeptiere nun eine unheimliche Begegnung der vierten Art.

Um die Sache abzukürzen: Ich habe Nachricht 1 wie folgt interpretiert:

Es ist wahr. Ich bin weit von Dir entfernt, und doch ganz nah. Lebe in einem anderen Universum als Du, in der Nähe einer Sonne wie Deine, unser Planet dreht sich.

Es ist wahr. Eine Seite unseres Planeten ist heiss, und hell. Die andere Seite ist dunkel und kalt. Die Kälte macht mir nichts aus. Die Entfernung zwischen Dir  und mir ist nicht in Zeit zu messen.Es ist wahr. Die Lebewesen auf der hellen Seite unseres Planeten würdest Du „Licht“ nennen. Die auf der dunklen Seite nennst Du „Schatten“.Ich hoffe, Du hast die Nachricht verstanden. Eine neue folgt.

Unversehens hatte ich den Übermittler personifiziert. Irgendwer, nicht irgendetwas hatte mir eine Botschaft gesandt. Ein „Er“, der auf der dunklen Seite seines Planeten lebt. Er bezeichnet sich als Schatten. Eine unglückliche Wortwahl. Wahrscheinlich ist ihm entgangen, dass Schatten körperlos sind. Unsere zumindest. Ich assoziiere:

Hell und Dunkel – Ebony and Ivory living in perfect harmony …. side by side!

Nun, es wurde mir rasch bewusst, dass eine Fortsetzung folgen musste. Aber was um Himmels willen will er von mir? Er wird sicherlich nicht ohne Grund seine Existenz, und die seiner Welt offenbaren. Und wenn er in der Lage ist, auf die geschilderte Weise von mir Besitz zu ergreifen, dann kennt er die Menschen, weiss von ihren üblen Seiten, und muss sich trotzdem sehr sicher fühlen, in seinem Universum, als Schatten auf der dunklen Seite seines Planeten. Schattenmann – Schattenfrau –  Schattenwesen?

Um ehrlich zu bleiben: An dieser Stelle begann ich, an meinem Verstand zu zweifeln, befürchtete nacheinander einige Geisteskrankheiten wie Schizophrenie, Paranoia usw., und dass meine Sinne mir einen Streich spielten, das Ganze sich nur in meiner Phantasie abspielte, und so weiter. Eine solche Reaktion konnte nicht ausbleiben, bis zur

Nachricht 2

ist. mannfrau schatten. ist. Leben muss licht ist. licht nicht schatten nicht licht. ist. 1 ja 2 ja 3 nein. leben ding hinter licht vor. wie du. ist. licht neu schatten. nicht licht. dunkel leben. du licht leben schatten unlicht. verstehen. plus.

+++++

Nun, das war eine harte Nuss. Während mir die Nachricht 1 noch leicht zu entschlüsseln schien, bekam ich hier einige Probleme. Nummer eins liefert nicht genügend Kontext, um Schlüssiges abzuleiten. Einige Versuche und verschiedentliches Variieren ergab das folgende:

Wahr ist. Ich bin ein Schatten und ohne Geschlecht. Ich lebe, weil Licht ist (Licht war). Licht lebt ohne Schatten, und Schatten ohne Licht (also ohne Bindung an Licht? Wie das?). Wahr ist, ich bin ein zweidimensionales Wesen. Ich entstehe, wenn Licht auf einen Gegenstand fällt. Das ist wie auf der Erde. Aus Licht entstehen Schatten, die aber in der Folge das Licht nicht mehr benötigen. Wir leben auf der dunklen Seite. Der Erdenmensch benötigt das Licht, wir Schattenwesen das Dunkel. Du verstehst? Neue Nachricht folgt.

So habe ich Nachricht 2 interpretiert. Ein Schatten entsteht dort auf dieselbe Weise wie bei uns, kann sich aber verselbständigen? Ohne Licht existieren? Der Typ nenn sich Schatten, kanns aber nie und nimmer sein, nicht wahr? Schatten ist nicht die Folge von Licht, sondern von Lichtreduzierung, nicht wahr? Man stelle sich vor, mein Schatten entsteht, und macht sich davon. Ich bin ohne, bis ich ins Licht trete. Ich mache mir dann einen neuen Schatten, aber auch der macht sich davon. Irgendwohin ins Dunkel. Eigenartig. Woher habe ich die Gewissheit, dass es auf der Erde nicht genauso ist? Dass die versammelte Schattenmacht immer der Nacht folgt, rund um den Globus? Dort untertaucht, und als zweidimensionale Wesenheit existiert?

Und welchen Sinn hätte eine andauernde Existenz meines Schattens, unfrei – oder nicht an meinen Körper im Licht gebunden?

Allerdings: Dem Schatten fehlt die dritte Dimension. Das hätte zur Folge, dass man eine unendliche Anzahl übereinander stapeln könnte, ohne auch nur den millionsten Teil eines Millimeters an Raum zu belegen! Ich konstatiere, dass meine Denkweise paranormale Züge annimmt, nehme mir vor, sehr darauf zu achten, dass meine Phantasie nicht in einen pathologischen Geisteszustand abgleitet, Wahnvorstellungen erst garnicht entstehen.

Die folgenden beiden Nächte blieben ohne Heimsuchung. Statt dessen stellte sich das Gefühl ein, betrogen zu werden. Man hat mir ein Puzzle gegeben, bei dem die Hälfte der Teile fehlt.  Dann endlich, in der dritten Nacht nach Nr. 2, folgte

Nachricht  3

ist. viel gleiches ich. ander viel gleiches sich. ich plus ich plus ich viele. ist. er plus er plus er viele. sie plus sie plus sie viele. er plus sie plus ich nein fehler tut nicht. ist. du denken raum nicht. verstehen. plus.

+++++ 

Ich hatte mich unverzüglich und gut gelaunt an mein Puzzle begeben – er / sie / es hatte mir neue Teilchen angeliefert, und es hatte sich eine brennende Neugier meiner bemächtigt, ich wollte so rasch wie irgend möglich zu einem befriedigenden Ergebnis gelangen, vielleicht damit auch ein Ende des Spuks herbeiführen. Nummer 3 interpretiere ich folgendermassen:

Wahr ist: Ich bestehe aus vielen gleichen Teilen. Die anderen ebenso. Meine Teile sind gleichen Ursprungs. So ist es auch bei den anderen. Es gibt keine Vermischung, das wäre falsch. Es ist wahr, was Du über den Raum denkst, den die Schatten belegen. Du verstehst? Neue Nachricht folgt.

Was für eine Neuigkeit! Ein Schatten als kumuliertes Wesen, alle seine Teile gleichen Ursprungs, aber jedes Teil unterscheidet sich von den bereits vorhandenen – ist es möglich, dass  …… nein. Undenkbar, dass Schattenbilder übereinander projiziert in zweidimensionaler Form die Beschaffenheit dreidimensionaler Dinge speichern könnten. Ich bin froh, im 21. Jahrhundert zu leben. Vor einigen hundert Jahren wäre ich wegen solcher Phantasien  unweigerlich auf einem Scheiterhaufen gestorben.

Ich frage mich nun doch, was auf jenem Planeten geschehen mag. Wer ist Schattenspender? Belebtes, Unbelebtes? Lebendes oder Totes? Berge, Steine, Pflanzen, Tiere und Menschen? Ich erschrak. Was hatte er nochmal gesagt?

ist, du denken raum nicht.

Stimmt, ich benötige keinen Raum.  Das hat er mir übermittelt. Und es bedeutet, ER IST HIER. In dieser Sekunde, und in jeder anderen, die noch kommen wird. Ich stehe unter seiner Kontrolle. Seit wann? Schon immer? Seit neulich? Ich musste Panik bekämpfen – was um Himmels willen geschieht mit mir? Ich werde manipuliert, und fühle mich, als hätte man mir Drogen injiziert, eine Wahrheitsdroge wie Scopolamin etwa. Unversehens erinnere ich mich an ein Lied aus meiner Kinderzeit, das meine Mutter oft in ihrer Küche gesungen hat, und dessen Tenor sich nun als grundlegend falsch zu erweisen scheint – zumindest in meinem Falle:

Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten?
Sie fliegen vorbei
wie nächtliche Schatten
Kein Mensch kann sie wissen
kein Jäger sie schießen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.

Ich denke was ich will
und was mich beglücket
doch alles in der Still‘
und wie es sich schicket
Mein Wunsch und Begehren
kann niemand verwehren
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.

Bin ich unfrei geworden, oder war ich es gar schon immer? Zugegeben, ich habe zwölf Stunden lang gelitten, habe gezweifelt, war verzweifelt – und füge mich nun in das Unabänderliche, Was sonst könnte ich tun?

In der darauffolgenden Nacht traf Nachricht Nr. 4 ein. Sie lautet:

ist. denken du. ich viele für eines. ist. ich immer du bist. ich du. kugel halb sand voll wasser. du sand ich wasser. du ich du. verstehen. plus.  +++++

Das entschlüsselte Ergebnis hat mich völlig aus der Fassung gebracht.

Es ist richtig, was Du denkst. Ich bestehe aus vielen Teilen ein und derselben Sache.Ich war immer bei Dir. Stelle Dir eine Kugel vor, die halb mit Sand gefüllt ist, und fülle sie vollends mit Wasser. Du bist der Sand, und ich das Wasser. Du bist ich, und ich bin Du. (Wir sind eins.) Verstehst Du? Ich melde mich wieder.

Ich sehe mich heute ausserstande, mich mit der neuen Entwicklung auseinanderzusetzen. Nicht dass meine Neugierde nachliesse. Ich fiebere der nächsten Botschaft entgegen – und bin dennoch nicht mehr in der Verfassung, das von IHM gezeichnete Bild zu verarbeiten. Ich habe mich in eine Opferrolle zurückgezogen, leide wie ein getretener Hund. Unvermutet stellt sich der Gedanke ein, die Affaire neige sich ihrem Ende zu, und es käme nun zu einem Shutdown. Aber zu welchem? Was hat IHN dazu bewogen, mit mir diesen ganzen Zirkus zu veranstalten? Ich bin 78 Jahre alt – und ER hat 78 Jahre lang stillgehalten. Wenn ER wirklich mein komplementäres Ich ist, dann sollte ich erfahren, wozu es/er existiert.

Heute morgen erhielt ich mit einer neuen Nachricht die ultimative Anwort.

Nachricht 5

ist. du plus ich gleich eins. nennen körper du. nennen seele ich. ist. ich in dich muss. univers mein alle wie ich unzahl. kann geboren wieder. nein oder ja. wir emotion machen. kontrolle auch müssen. ist. kommen du nah zu mich. wissen nicht. muss kommen. heute zeit ende mein dein. muss. muss. muss. verstehen. null.

Ich habe eben diese Nachricht mit grosser Sorgfalt studiert und erkenne, ich halte den Schlüssel zur Wahrheit endlich in der Hand. Ich werde langsam und so genau wie möglich formulieren. Beginne zu glauben, was ich lese und zu verstehen. Nein, alles verstehe ich natürlich nicht. Es bleibt mir zum Beispiel ein Rätsel, warum man mir gestattete, diese Angelegenheit aufzuzeichnen. Mag sein, dass es keinen Unterschied macht. Die Story ist sowohl unglaublich als auch unglaubhaft. Erzählte ich davon, so würde man mich auf meinen Geisteszustand untersuchen wollen. Ich sollte es damit halten wie mit dem anderen grossen und rätselhaften Wunder, der Frau. Nicht ohne Grund sagt man: Der Kenner schweigt, und geniesst.

Es ist wahr. Du und ich sind eins. Du bist der Körper, und ich die Seele. Du brauchst mich, und ich bin in Dir. In meinem Universum sind alle Seelen versammelt. Wir sind nicht zählbar. Wir warten auf eine Wiedergeburt. Unsere Aufgabe ist die Katalyse, wir setzen Eure Gefühle frei. Wir kontrollieren. Ich bin zu Dir gekommen, weil Du mich entdeckt hast, ohne es zu wissen. Ich hatte keine Wahl. Heute endet unsere Zeit. Deine und meine. So lautet das Gesetz. Du verstehst? Es folgt keine neue Nachricht.

Ich bin geschockt. Was ist, wenn Er die Wahrheit sagt? Wenn ich nicht sofort diesen Text sichere, fehlt ihm die Pointe, keiner wird je erfahren, was mich getö …..

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Kultur – missverstanden

Ich habe lange vor dieser Blumenwiese gesessen, bevor ich in der Lage war, zu diesem Bild zu schreiben. Es war die Spielwiese meiner Kindheit. Dort habe ich die Welt der Gräser, der Blumen und die der Insekten kennengelernt. Es gab sie, und ich denke, es gibt sie auch noch heute, diese Biotope, in denen der Zufall keine Rolle zu spielen vermag, weil alle Entwicklung den Gesetzen der Natur folgt.

Beim Hinschauen befällt mich eine leise Melancholie. Nicht Vergessenes kann man vermissen, und ich vermisse den Eisvogel unten am Bach, die Chausseebäume voller Birnen, die Wildkirschenbäume unterhalb des Bahndamms, und die belebten Blumenwiesen – dies alles auf dem Weg zur Schule.

Ich kannte die Obstgärten der Nachbarn wie mein eigenen Hosentaschen, wusste um die besten Äpfel, wo Pfirsiche zu stiebitzen waren, und wo ich Pflaumen regnen lassen konnte. Längst habe ich verstanden, dass ich in einem Kinderparadies zu Hause war.

Und heute? Mit der modernen Wohn- und Gartenkultur hat anscheinend der Tod Einzug gehalten.

Die Basis für Leben ist dem Beton, dem Asphalt und der Monokultur gewichen, und dies ist auch in meinem eigenen Garten geschehen. Mit der Pflanzenvielfalt verschwanden die Insekten, und mit ihrem Verschwinden die Vögel. So sitze ich hinter meinem Fenster und vermisse sie, den Igel, die Feldmäuse, die Wacholderdrossel, die Rotkehlchen-Familie, die Blau- und Kohlmeisen, die Waldohreule und ihre kleinere Verwandtschaft, die Käuze. Ja, ich vermisse sogar jenen Marder, der meine Autokabel angefressen hatte. Sie haben sich zu Zivilisationsflüchtern entwickelt, oder sie sind einfach kinderlos weggestorben.

Ich lebe in einer Welt aus nahezu unbelebter Materie. Dieser Umstand reicht nicht, um mich unglücklich werden zu lassen. Aber das Verlustgefühl werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr los.

Und ein wenig Neid treibt mich um, da ich weiss, dass anderswo die Menschen noch mit vielfältigem, bunten Leben umgeben sind.

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La vie est dure sans confiture!

So empfinde ich, wenn mir eine spezielle, kleine Panne das Frühstück verdirbt. Das Leben ist hart ohne Marmelade! Und ich kann nicht umhin zu bemerken, dass die Franzosen diese Panne sehr  elegant in Worte fassen, während die deutsche …. Schwamm drüber. Es gibt wichtigeres.

Wenn sie fehlt, unsere Confiture, so herrscht am Frühstückstisch betretenes Schweigen. Und dies verstärkt sich um einiges, da ich allein hier sitze – Missetäter und Betroffener zugleich. So bin ich gezwungen, meine Brötchen mit viel Butter zu essen; der Genuss ist nicht der Rede wert. Und ich erinnere mich an alte Zeiten, als meine halbstarke Tochter und ich gemeinsam Konfitüren gekocht haben. Marillen mit Zitronensaft abgeschmeckt, Mandelblättchen und einem kräftigen Schuss Barak Palinka, oder Schattenmorellen mit einem ebenso kräftigen Schluck Captain Morgans Jamaika Rum …..

Am Saisonende war  der Bestand so angewachsen, dass bis in die Weihnachtszeit keine Engpässe zu befürchten waren. Allerdings muss ich einräumen, dass wir Pflaumenmus stets nachgekauft haben. Es musste allerdings Powidl aus Oesterreich sein. Hier handelt es sich um eine böhmische Variante, gerne hergestellt aus Trockenzwetschgen, ohne Zucker und Chemie, aber gerne mit etwas Rum. Sieht aus wie Karrenschmiere und schmeckt grossartig.

Dieser Schrieb bezeugt: Ich bin ein eiserner Verfechter meines häuslichen Frühstücks mit Semmeln, Guterbutter, Konfitüre und einer Kanne heissen starken Kaffee.

Vielleicht hat mich ein typisch englisches Frühstücksbuffet in einem Amsterdamer Hotel auf den rechten Weg gebracht. Ich hatte gehorsam alles Gebotene mit ebenso gebotener Sorgfalt probiert, und das Ergebnis war ein verlorener Konferenztag. Gegen 17 Uhr suchte ich – immer noch angeschlagen von britischen Gewaltakten am Frühstückstisch – eine nahegelegene Kneipe auf, fand einen Platz am Tresen und machte wohl eine Figur wie ein Schluck Spucke in der Kurve. Jedenfalls wurde ich prompt gefragt, was mir fehlt. Ich liess die Katze aus dem Sack, und ein Holländer orderte für mich sofort einen doppelten Genever, dann einen zweiten, und plötzlich sah ich wieder Licht am Ende des Tunnels.

Genever, dieser Wacholderschnaps, hatte mich wieder auf die Beine gestellt, und es hatte nicht viel gefehlt, und er hätte mich wieder von den Beinen geholt.

Bemerkenswert ist die herzliche Aufmerksamkeit einiger Holländer, die ich in jener Kneipe wie auch bei einigen anderen Notsituationen  erlebt habe. Solche Erfahrungen darf man nicht vergessen. Auch nicht die des Genevergenusses. Ich habe diesen Schnaps nie mehr angerührt.

War mein Thema nicht das Frühstück? Stimmt. Ich komme zum Nachspiel. In den Jahren nach meiner Amsterdamer Katastrophe habe ich für Hotel-Büffets zwischen 8 und 15 oiros bezahlt und stets nur zwei Marmeladebrötchen gegessen. Ich denke, das war so in Ordnung, da meine Frau für mich mitgefuttert hatte. Heute, als Single kann ich konsequent sein. Ich reise nicht mehr, und mein Problem ist gelöst. Nie wieder so frühstücken ⇓ ….. obwohl …..

büffet

 

Gedanken zu „Musik“

Ich denke, dass man sich für Musik einen eigenen Masstab suchen sollte.

Die Musik ist eine Klangwelt besonderer Art. In ihr sind gewaltige Bögen gespannt, von den Gregorianischen Gesängen bis zum Tekkno, vom Didgeridoo bis zum elektronischen Keyboard, von Hamburg bis Hawaii. 

Wir sind mittlerweile daran gewöhnt, Musik als Hintergrundgeräusch zu konsumieren. Gut, dagegen gibt es nichts einzuwenden. Nur: Es ist eben nicht Musikhören im eigentlichen Sinne. 

Musik verdient Aufmerksamkeit. Ich glaube, dass man erst bei ungeteilter Aufmerksamkeit entscheiden kann, ob man eine Komposition mag, oder nicht. 

Möglich, man entdeckt Schönheit, wo man sie nie vermutet hätte. Ich hatte an anderer Stelle schon auf diese „Besonderheit hingewiesen, mit einem Sechszeiler von

Marie von Ebner-Eschenbach. Er ist es wert, wiederholt zu werden: 

Ein kleines Lied, wie gehts nur an,

dass man so lieb es haben kann?

Was hat es nur? Erzähle. 

Es liegt darin ein wenig Klang,

ein wenig Wohllaut und Gesang,

und eine ganze Seele.

Diese Sprache ist von schlichter Schönheit –  und es ist gesprochene Musik.

Öffne Dein Herz, und höre zu. Sie hat ohne Pathos, in schlichter Sprache ausgedrückt, wofür mir die Worte fehlen. 

Vielleicht geht es so: Wir können aus Musik nur heraushören, was hineingeschrieben wurde. Legt der Autor Seele in sein Werk, dann können wir sie vielleicht wahrnehmen. Vielleicht meint, dass auch unsere Seele auf Empfang geschaltet sein muss. 

Musikgenuss ist ein Brückenschlag der Seelen – vom Komponisten über Interpreten zum Zuhörer. 

Ich habe irgendwo gelesen, Gemeinschaft sei eine Sache der Seele. Im Zustand der Harmonie einer Gemeinschaft kannst Du glückliche Momente erleben. 

Man muss  darüber nachdenken, warum die Musik  zu Tränen rühren kann, oder? Was liegt darin? Erzähle!

Kann es sein, dass Du mich immer noch nicht verstehst? Dann höre wieder mal  QUEEN und Freddy Mercury. 

One man, one goal, one mission,

one heart, one soul, just one solution,

one flash of light – yeah one god, one vision!

freddy

Drama um Tod und Verderben aus dem Tierreich

Den Schnabel wetzt Frau Lämmergeier,

hackt auf der Nachbarin herum,

dabei verliert sie Geier-Eier –

für sie läufts heute wirklich dumm!

Der Alte kreischt: Nun halt mich fest!

Die Mulde ist noch immer leer!

Jetzt scher´Dich bloss in unser Nest!

Vier Eier müssen dringend her!

Quak´ bloss nicht rum, es ist zum Lachen!,

die Geierin bleibt richtig cool.

Ich werde rasch vier neue machen,

hab ohnehin schon Kalk im Stuhl! (Uii!)

 

Ich weiss nicht, ob die Brut gelingt,

bin ständig angemeiert

vom Alten, der mich nicht bespringt,

nach andren Weibern geiert.

 

Jetzt guck Dich bloss mal richtig um!

Der fiese Alte keift und meckert,

und kommt der Geierin nun dumm:

sie hätte sich mit Schiet bekleckert,

und – das ist auch nicht gerad fein –

sie sei zu  träge und zu feist!

Ein dicker Hintern wie beim Schwein,

Der Geier wird jetzt richtig dreist!

Nun wird der Geirin Blick sehr kalt.

Schau Dich nur an, Du Sack!

Der Pürzel schlaff, krumm die Gestalt,

Im Kopf nur Gift! Jetzt pack!

Sprachs, und ein rascher, harter Tritt

trifft ihn nun in die Klüten.

Sie gibt ihm noch vier Eier mit.

Mag er sie selbst bebrüten.

Die Geirin grinst, der kahle Kopf

neigt sich nun übern Rand

des Horstes. Und würgt jetzt aus dem Kropf

was sich dort drinnen fand.

Den Alten treffen Eierschalen,

D e r  Schlag hat nun gesessen!

Er leidet endlich Höllenqualen –

sie hat die Brut gefressen!

Vom Nestrand ätzt es nun herab:

Hau ab zu Deinen Hennen!

Die bringen Dich vielleicht auf Trab!

Dort lernst Du Arbeit kennen!

Und haben  sie Dich rangenommen

dass Dir die Flügel lahmen,

dann brauchst Du garnicht zu mir kommen,

ich habe genug von Deinen Dramen.

Ich habe meine eigne Sicht:

Ein Pflegefall bist Du.

Man füttert Dich oder auch nicht,

nur: Meine Tür bleibt für Dich zu!

Der Lämmergeier sitzt und grübelt.

Das war nicht gut gelaufen!

Die Alte hat ihm viel verübelt.

Er muss sich erst  verschnaufen.

Beschliesst, nun doch nicht wegzugehn.

Die Stimmung wird auch wieder gut.

Setzt sich ins Gras, sie muss ihn sehn,

Blicke von oben machen Mut.

Nun, es hat doch nicht funktioniert.

Nicht in der Lämmergeier Sippe.

Wer aus der Reihe tanzt, verliert.

Im Gras sitzt nur noch – sein Gerippe.

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Carola sucht einen Job

Gesuch an den Bürgerservice einer Partei: mailto: bürgerservice@bcd.de

Guten Tag!

Heute nehme ich mir die Freiheit, Sie um Rat zu fragen.

Das Problem: Meine erwachsene Tochter Carola hat eine grosse Klappe, weswegen ich sie Carola magna Triebelmannsis nenne, und sie hat keinen Job. Ich denke, sie sollte ihre rhetorische Begabung vermarkten, und bei aufmerksamer Beobachtung der bundesdeutschen Politik- und Wirtschaftsszenerie eröffnen sich mir beeindruckende Einsichten. Alles läuft auf denselben Punkt zu: Meine Tochter Carola gehört genau dorthin – ihre Welt ist das Statement.

Ich nehme an, dass Sie mein Anliegen nicht auf Anhieb begreifen. Darum möchte ich mit einigen Beispielen aufwarten, um Ihnen zu verdeutlichen, worum es mir geht, und wo der Nutzen eines Agreements liegen könnte.

Beispiel Verkehrsminister: Die Mineralöl-Multi´s erhö-hen zu Ostern die Spritpreise. Der Minister wartet zur Vorsicht ab, bis die Aktion abgeschlossen, und die Autofahrer verärgert sind. Dann meldet er sich mit einer Drohung zu Wort – Prüfung durch Kartellamt etc. werden entrüstet hervorgestossen – und jeder denkende Mensch richtet seinen Zorn auf besagten Bundesminister, weil jeder weiss, wie die Preisab-sprachen durchgeführt werden, nämlich unter zwei Ohren am Telefon, mit Zerhacker dazwischen, usw.

Hätte der Verkehrsminister drei Wochen vor Ostern vor der Preistreiberei gewarnt, er würde heute noch dümmer aussehen. Sein Statement danach war schon dumm genug.

Was hätte nun meine Tochter Carola formuliert?

„Wir leben in einer freien Marktwirtschaft. Diese ist so frei, dass sie den Multi´s sogar gestattet, die Volkswirtschaft zu schädigen. Daran ist nicht zu rütteln. Es wird mir ein Rätsel bleiben, wieso die Autofahrerlobby nicht wirksamen Widerstand organisiert. Der Boykott einer einzelnen Gesellschaft würde auch die anderen Mores lehren. Die Macht des Konsumenten sollte organisiert werden, und wenn der ADAC das nicht tun möchte, dann kann man seine Mitgliedschaft kündigen. Ich habe das heute getan.“

Zweites Beispiel: Der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, seines Zeichens ein Verbandsfunktionär der alten Garde mit Denkweisen aus dem 19. Jahrhundert fordert mit beeindruckender Regelmässigkeit die Reduzierung der Unternehmenssteuern (erhöht den Unternehmensgewinn), die Reduzierung der Staatsquote (geringere Sozialbeiträge erhöhen den Unternehmensgewinn), die Lockerung des Kündigungsschutzes (Arbeitnehmer feuern erhöht den Unternehmensgewinn), Greencards für alle Branchen (Einsparung von Ausbildungskosten erhöhen den Unternehmensgewinn), Abschaffung der Flächentarife und die Einführung von Niedriglohnklassen (geringere Personalkosten erhöhen den Unternehmensgewinn), und andere derartige Schmankerln. Ich höre dem Mann fasziniert zu – und fürchte um seinen Geisteszustand. Der will wirklich wieder beim Jahr 1890 anfangen.

Seine stereotyp wiederholten Forderungen mögen den Schluss zulassen, dass es den Mitgliedern des BDA ausreichen mag, wenn ihr oberster Vertreter so daherredet, wie er redet. Ich sage immer: Chefs sind halt so. Sie haben ihre Stärke im Ellenbogen; im Kopf wären sie nur hinderlich.

Und was würde meine Carola daraus machen:

„Wir können sagen, was wir wollen. Alles ist erlaubt. Nur keine Wiederholungen. Wenn ein Statement benötigt wird, dann sage mir, warum, und ich baue Dir eines zusammen. Aber niemals Wiederholungen. Verwendet man seine Waffe zu oft, verliert die ihre Schärfe. Heute sagen wir das Folgende:

Es ist die innerste Überzeugung des BDA und seiner Mitglieder, dass unser Gemeinwesen nur auf der Grundlage eines sozialen Gleichgewichts zufrieden-stellend funktionieren kann. Das schliesst eine gerechte Verteilung des erarbeiteten Wohlstands mit ein. Die Welt hat sich in den letzten 40 Jahren gravierend verändert, und auch unsere Gesellschaft ist davon betroffen. Die Methoden der 50er Jahre können heute nicht mehr angewandt werden. Die soziale Marktwirtschaft ist neu zu definieren. Der BDA. und insbesondere sein Präsident bemühen sich, gemeinsam mit Politik und Wissenschaft eine Standortbestimmung durchführen,  um einen tragfähi-gen Weg in die Zukunft finden zu können. Die Bundesregierung hat sich bisher diesem Vorhaben verweigert, aber wir sind nicht beeindruckt. Wenn nicht diese, dann wird die nächste Regierung in die Pflicht genommen.“

So wird Stroh gedroschen, nicht wahr?

Oder nehmen wir den Immer-noch-Präsidenten der Bundesärztekammer. Dieses Ungeheuer ist öffentlich für ein sozialverträgliches Ableben alter und und kranker Menschen eingetreten. Er meint damit: Lasst sie doch sterben, das entlastet das Sozialsystem so, dass die Arzthonorare wieder steigen können. Man hat dieses Event unter der Hand  als Produkt einer Dementia senilis abgetan, nur wird das dem Sachverhalt nicht gerecht. Der solcherart bekundete Bruch des hippokratischen Eids hat den Betroffenen keinesfalls seine Approbation gekostet. Nicht mal sein Amt war je gefährdet – und die Öffentlichkeit fragt sich zu Recht nach dem Standort der Ärzte, die sich widerspruchslos auf diese Weise vertreten lassen. Immerhin kostet ein Diabetiker monatlich so um 400 Euro; wann wird seine Notschlachtung angeordnet? Ab wann werden die Gesunden mit SOILENT grün gefüttert? (nur für Insider!)

Ja, was hätte meine Tochter Carola in dieser Situation gesagt?

Vielleicht dieses: „Der moderne Mensch wird alt. Wer 50 Jahre malocht hat, dem gebühren weitere 50 Jahre zum Genuss von Lebensqualität. Das ist gerecht, und zur Verwirklichung dieses Ziel arbeiten Ärzte und die Pharma-Forschung Hand in Hand. Dabei ist für jedermann einsichtig, dass die hohe Lebenserwartung einen hohen Preis hat. Es ist nicht gerechtfertigt, dass nur die jungen Menschen diesen Preis zahlen müssen. Solidarität hat dort ihre Grenzen, wo sie die Existenz des Solidarischen gefährdet ist. Darum ist es unumgänglich, dass unsere Älteren, sind sie aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden, im Rahmen ihrer finanziellen Ausstattung ihre Gesundheit mitfinan-zieren. Wir fordern Beitragsfreiheit für Empfänger geringer Renten, und angemessene Beiträge für Rentner mit hohen Einkommen. Und wir fordern die Bundesregierung auf, endlich ihre Hausaufgaben zu diesem Thema zu machen.“

Datei speichern unter ….. Statement 247.doc – und vergessen. Nie wieder anfassen, das Ding!

Noch ein letztes Beispiel. Da gibt es einen Haupt-geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Diese Type formulierte, es ginge nicht an, dass Arbeitsfähige ab 56 Rente kassieren, und plädierte für die Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre. Dabei zeigt er sich an der Tatsache, dass ein Arbeitnehmer mit 45 schon ohne Chance auf einen neuen Job ist, gänzlich uninte-ressiert. Die zugrunde liegende Denke scheint zu sein, dass es korrekt wäre, die älteren Leute zu feuern, und sie bis zum 67. Lebensjahr der Langzeitarbeitslosigkeit zu übereignen, die durch Arbeitslosenversicherungsbeiträge und Steuermittel finanziert werden soll. Lässt man sie mit 58 in die Rente gehen, muss die Rentenversicherung, zu einem erheblichen Teil von den Arbeitgebern mitzufinanzieren, für den Lebensunterhalt der Arbeitslosen eintreten.

Dieser Schlauberger scheint beim Präsidenten des BDA in die Lehre gegangen zu sein, bläst nun die Backen auf, und trötet in dieselbe Posaune. Die ministerielle Abfuhr war dementsprechend. Immerhin hatte man seine Stimme vernommen, und auf höchster Ebene nervös reagiert. Was will ein Funktionär mehr? Die Mitglieder des DIHKT werden zufrieden sein, ihr Mann hat sich Gehör verschafft!

Und was hätte meine Carola aus der Sache gemacht?

Wahrscheinlich: War´s das, was Sie beabsichtigten? Ja? Dann haben Sie es gut und richtig gemacht. Sollten Sie jemals etwas anderes im Sinne haben als Wind um die Ecke zu schaufeln, so fragen Sie mich um Himmelswillen, bevor Sie den Mund aufmachen. Alles klar, Doktorchen? 

Sehen Sie, das ist es, was ich meine. Man kann auch dummes Zeug auf einem höheren Niveau reden, aber das ist nun mal nicht die Art deutscher Funktionäre. Ein wenig Kultur täte der Sache ganz gut, aber diese Leute profitieren von einem kulturell hochstehenden Entgeltsystem, aber sie liefern Ergebnisse der finsteren Art, sozusagen Antikultur.

Ich vermag einzusehen, dass ich gerechterweise nur beurteilen kann, was bei mir hier unten ankommt. So isses. Was aber, wenn bei mir nur Mist ankommt? Soll ich etwa vor dem Radio sitzen, zuhören und dann feststellen: Oh, Mist! Wie schön! Ich liebe diesen Müll, brauche ihn wie das täglich Brot! Weiter so, Herr Doktor XYZ, Sie sind eine reine Freude!

Nein, das nicht. Dann sind wir uns bis dahin einig. Bleibt nur noch zu klären, warum der Typ in ein Mikro spricht. Ist das billiger als ein Rundschreiben an die Mitglieder? So machts noch einen Sinn. Wenns aber für die Öffentlichkeit gesagt wird: Sollten dann nicht die Regeln der Public relations gelten? Ach, die kennt dort keiner? Gewiss, genauso siehts aus. Und das bringt mich wieder an die Seite meiner Tochter Carola. Sie kennt diese Regeln. Sie kann helfen. Schaden abwenden. Dummköpfe auf ein vernünftiges Ziel ausrichten. Und sie hat ein Schandmaul.

Also komme ich jetzt zu meiner Bitte. Ich würde gerne von Ihnen erfahren, was man tun muss, um in einer Partei wie der Ihren, oder einer Gewerkschaft, oder einem Verband arbeiten zu können. Wo sind Pöstchen frei? Bei wem kann man sich bewerben? Wo ist die Not am grössten?

Wenn Sie mir einen Tip geben könnten, wäre das riesig!

Freundliche Grüsse

Hans Otto Triebelmann

Meine Carola (rechts) mit Klient

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