Die Welten und ich

Nach nahezu acht Jahrzehnten Leben ist mir unsere Welt, die grosse, fremd geworden. Meine eigene, die kleine Welt ist mir dagegen wie stets vertraut. Aber sie hat viele Fenster. So kann mir der Zustand draussen nicht verborgen bleiben.

Ich suche in meinen Erinnerungen die grosse Welt, wie ich sie mochte, und finde sie. Mir wird bewusst, dass ich Veränderungen wahrgenommen, aber nicht gut verarbeitet habe. Familie und Job haben mich an die Gegenwart gefesselt, Vergangenes war einfach nicht relevant. Heute erkenne ich dies als Versäumnis. Die Kontinuität des Wandels habe ich ignoriert, und so erlebe ich heute beim Hinschauen gelegentlich einen kleinen Big Bang.

Das ist allerdings nur ein Teil meines Problems. Auch ich habe mich entlang meiner Lebenszeit verändert. Nein, klüger geworden bin ich nicht. Aber mein Blick hat sich geweitet. Mein Habitus hat sich vom Bild des Büromenschen zum Spät-Hippie gewandelt, und vom emsigen Hamster im Laufrad zum gelassenen Faulpelz.

Und hier liegt ein Problemchen offen auf dem Tapet. Ich bin mit der Gegenwart nicht mehr kompatibel.

Ein Beleg dafür: Vorhin las ich einen gewaltigen Aufsatz über den Nutzen von IOT, dem Internet of things, was „alles vernetzen“ meint. Da öffnet mir ein junger Mann die Augen für die Vernetzung meiner Lampen, so sie an der Decke hängen.  Im vernetzten Zustand könnte mir mein PC melden, wenn irgendwo eine Glühlampe ausgefallen ist. Ich allerdings konnte keine Begeisterung für diese Idee entwickeln. Meine Methode ist besser. Ich gucke nach oben, und wenn von dort Licht kommt, ist für mich alles schön. Old school?

Wie auch immer: Die Folgen meiner Unverträglichkeit mit der grossen Welt bewirkt, dass ich mich weiter in meine kleine Welt zurückziehe und nur noch gelegentlich aus dem Fenster schaue, um den Anschluss nicht komplett zu verpassen.

people-peoples-homeless-male

 

  1. Da werde ich ganz neidisch…

    Würde mich auch gerne ausklinken, mich zusammen mit `ner Tüte Gummibärchen in eine kuschelige Höhle zurückziehen und mit – dank innerer & äußerer Distanz – großer Gelassenheit meinen schönen Erinnerungen nachhängen.

    Anstatt dessen gibt’s kein noch so kleines Loch, in welches ich mich verkriechen könnte.

    Für einen gemütlichen Winterschlaf konnte ich mir nie genug Fettpolster zulegen.

    Und anstatt Kuscheln ist Kampf bis zuletzt angesagt.
    Die Waffenpausen reichen gerade einmal zum Wunden lecken.
    Verheilen tut nix richtig.

    Keine Angst, rrisch3…! Es sind nicht die „Big Bangs“, die einen in die Knie zwingen, sondern die zermürbende, Mehrfrontenstellungskriege.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s