Bekenntnisse eines Hochstaplers

Mich beschleicht neuerdings das Gefühl, ich sei ein Messi. Stop! Nicht so wie die aus dem Fernsehn. Du kannst in meine Höhle kommen und Dich gründlich umsehen – alles ist schön und ordentlich. Ich sollte sagen, dass ich fühle, als sei ich ein mentaler Messi. Anscheinend gibts das. Mein Kopf ist voller Gerümpel, mit dem ich nichts anfangen kann. Klartext: Es sind keine Ideen, die nur darauf lauern, ans Tageslicht und auf eine Tastatur gebracht zu werden. Es sind einfache, nutzlose Gedankensplitter. Falls Du Dir das nicht vorstellen kannst, so nimm die Wochenend-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) mit ca. 30 grossformatigen Seiten, und schiebe sie durch einen Schredder, der nicht nur längs schneidet, sondern auch quer schnipselt. Was Du dann im Kübel findest, sieht aus wie das Material in meinem Kopf. Oder umgekehrt. In meinem Kopf sieht es aus wie in diesem Kübel.

Dann kommt so ein inkompetenter Tüffel an und redet auf mich ein wie auf einen liebeskranken Grottenolm. „Schreib doch mal was richtig Lustiges!“ Oder schlimmer: „Schreib doch mal ein Buch! Du kannst das!“, usw.

In solcher Situation schnappe ich mir meinen Schnipselkübel und ziehe mich in mich selbst zurück. Ich schaue hinein, rühre ein wenig im Papiernen, und brülle (in Gedanken) los: Ich kann das nicht! Man kann aus Scheisse keine Venus kneten! Verzieht Euch, Ihr Schattengestalten aus dem Tal der Ahnungslosen, und sauft mir nicht noch meine letzte Flasche Riesling weg! Während dieses Ausbruchs sitze ich auf meinem Stuhl, bin still, und zeige mein gequältes Grinsen. Und irgendwann ist die idiotische Ansage zu Ende. Das ist gewiss.

Dann glätte ich meine Stirn, ziehe meine Lefzen auf „Lächeln“ hoch, gehe ich zum Kühlschrank und hole meine letzte Flasche Riesling für meine Gäste.

Danach, im Bett fühle ich mich zunächst wie eine Nutte. Wieder schwach geworden um der Freundschaft willen! Aber längeres Nachdenken ergibt, dass es mein Fehler sein muss, wenn die Bagage ein falsches Bild von mir pflegt. Denn die Eitelkeit bewahrt den Menschen vor Ehrlichkeit. Anscheinend gilt das sogar für mich, auch wenn’s unmoralisch ist. Schäme Dich, Alter!

nachdenken

2 Antworten auf “Bekenntnisse eines Hochstaplers”

  1. Ansagen meines Herrn Papa angesichts meiner zur Papier gebrachten, schülerischen Verbal-Inkontinenz : „Was willst Du eigentlich sagen? Und wer ist der Adressat? Welche Perspektive nimmst Du ein? Schwerpunkte? Fasse Dich kurz! Du kommst von Höckschen zu Stöckchen…“

    Struktur kann auch beim Schreiben helfen. Letztendlich ist Schreiben auch ein Handwerk. Man baut quasi ein Regal oder wenigstens einen kleinen Setzkasten, strickt einen roten Faden, dekoriert mit ein paar Stilmitteln und schwups! schon bekommt das Ganze eine Form und eine klare Aussage.

    Nur nicht Verzagen! Es gibt Schreibwerkstätten und Kurse Kreatives Schreiben, Drehbuch schreiben (es gibt hierfür sogar extra Software & Vorlagen online) etc. Dort kann man nützliche Tools erlernen und Gleichgesinnte treffen. Einfach ‚mal googeln!

    Gefällt 1 Person

  2. …Blaphemie!!!
    Ich weiss…
    Aber dennoch…BILD Zeitung Schmierlinge zeigen wie es gemacht wird. Sie sind wahre Hochmeister im Storytelling a la 5 min Suppenterrine….das muss man ihnen lassen.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s