Die Welt der Vorschriften – ein kurzer, verstohlener Blick

Man sagt, die wichtigste Vorbereitung für eine höhere Beamtenlaufbahn wäre, zu trainieren, 20 Minuten aus dem Fenster zu gucken, ohne zu denken.

Gedacht wird nicht in einer Amtsstube, sondern anderswo, oder gar nicht. Ein Beamter macht, nicht dacht. Macht, was immer ihm vorgeschrieben ist. Das ist übrigens der Grund, weswegen er nie und nimmer bemerkt, dass eine Vorschrift aus dem Jahre 1899 stammt und deshalb in der Gegenwart überhaupt nicht anwendbar ist. O doch, sagt er, es geht. Sie sehen doch, dass es geht. So zum Bürger. 

Und: Sieht Scheisse aus! Weiss auch nicht, warum! So zum Kollegen, wenn der Bürger das Weite gesucht hat. 

Man darf nicht ungerecht werden. Der Spruch mit der Beamten-Übung vor dem Fenster ist grober Unfug, um nicht zu sagen eine Form von Beamtenbeleidigung. Für diese Feststellung nenne ich zwei Gründe. Erstens ist es eine technische Unmöglichkeit, nicht zu denken. Dabei spielt das Gehirn nicht mit. Und kein Beamter könnte, so er wollte, sein eigenes Denkorgan abschalten. Ich selbst habe  im Büroschlaf noch geträumt. Und zweitens erfordert es ordentliche Denkleistung, eine Verordnung aus dem Jahr 1899 in der Welt des 3. Jahrtausends so anzuwenden, dass zwar der Bürger möglicherweise erschreckt davonhuscht, aber der Vorgesetzte voll zufriedengestellt bleibt.

Ich habe experimentell nachzuvollziehen versucht, wie man sich bei reduziertem Denken fühlt, verhält, und was im Gedächtnis kleben bleibt. Anschliessend habe ich mich an meinen PC gesetzt, er war gerade mal nicht abgestürzt, und das Resultat niedergeschrieben. Es besteht aus einem einzigen Wort: „Nichts“.

Ein wenig später erkenne ich: Anderes ist wichtig. Siehe unten.

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